Donnerstag, 26. Januar 2012

[Rezension] Schattenblüte Die Verborgenen





Schattenblüte Die Verborgenen - Nora Melling
Rowohlt Polaris
November 2010


352 Seiten


14,95 €


Dem Leben ein Ende setzen, nicht mehr fühlen, nicht mehr trauern müssen, nur noch schlafen. Das möchte Luisa am liebsten, nachdem sie mit ihren Eltern nach Berlin gezogen ist. Zurück blieb das Grab ihres kleinen Bruders Fabian, den sie vermisst wie nichts sonst auf der Welt.
Doch als sie sich von einem Turm im Wald stürzen möchte ist plötzlich der Junge da, und Luisa muss ihm versprechen, am Leben zu bleiben. Thursen heißt er, und Luisa möchte ihn so gerne wiedersehen.
Aber Thursen hat ein Geheimnis, das er nicht mit Luisa teilen möchte. Nicht teilen kann.
Tagelang sieht Luisa ihren neugewonnenen Freund nicht, bis sie ihn auf eigene Faust sucht. Und sie verwirrt sich nicht nur im Wald, sondern auch in einer Geschichte voll Magie und Sehnsucht - die jedoch still und heimlich verblasst...


"Die Verborgenen" ist der erste Teil einer Trilogie von Nora Melling, die mit "Die Wächter" dieses Jahr noch fortgesetzt werden soll.Ich hatte bereits eine Leseprobe bei vorablesen.de lesen dürfen, leider aber kein Buch gewonnen.Ende letzten Jahres habe ich mir das Buch dann doch selbst gekauft, weil ich durch verschiedene Rezensionen einfach neugierig geworden war.


Mein erster Leseeindruck war ein depremierter. Aber nicht, weil das Buch schlecht war, beileibe nicht. Die Thematik war nur sehr schwer und mitnehmend. Und scheinbar ging es nicht nur mir so:
boocaholic schreibt: "Anfangs habe ich mich durch die stets präsente Melancholie durchgequält. Es lag daran, dass Nora Melling mich daran erinnerte, wie ich mich fühlte, als ich einen sehr wichtigen Menschen im meinem Leben verloren habe. Das rief einfach Erinnerung hoch und ich fühlte mich teils etwas unbehaglich. Nicht, weil die Autorin es schaffte, die Gefühle in mir wach zu rufen, im Gegenteil, das ist lobenswert, wenn ein Autor Gefühle im Leser weckt, sondern eher die Situation damals, die sich mir aufbarg, war nicht unbedingt schön."


Die Stimmung ändert sich nur wenig in der gesamten Geschichte. Luisa kann zwar mit dem Verlust ihres Bruders etwas besser umgehen, findet aber noch immer nur schwer Zugang zur wirklichen Welt. Obwohl sie selbst kein Werwolf sein kann, will sie unbedingt unter ihnen sein - vor allem bei Thursen. Die Passagen im Berliner Wald sind wie ein Atemholen vor dem atemlosen Schrecken, der im Elternhaus wartet. Ich fühlte beim Lesen der Elternszenen mein Herz schwer werden. Dass Familien nach dem Tod eines Mitglieds kaum noch zueinander finden ist bekannt. Und darüber zu lesen war irgendwie belastend.

Wirklich schön fand ich, dass sich jemand an das altbekannte Thema (und auch 2010 war der Markt schon überschwemmt) heranwagte, und Nora Melling trotzdem noch eine neue Nuance hineinzaubern konnte. Sie schreibt über Werwölfe nicht als die verzweifelten Helden, wie sie etwa in Twilight auftauchen. Nein, Mellings Schattenwölfe haben keine Vergangenheit mehr und sind deswegen einfach verzweifelte Menschen, die nicht mehr leben können.

Sabine von Büchersüchtig drückt ihre Gedanken über die Figuren sehr schön aus:
"Endlich keine Geschichte, die nicht mit lauter wunderschönen Hauptpersonen aufwartet. Obwohl sich auch in "Schattenblüte. Die Verborgenen" das etwas schwierige Mädchen und der geheimnisvolle Junge ineinander verlieben, enden hier die Gemeinsamkeiten mit vielen Urban Fantasy-Romanen. Denn hier stehen die Verlierer, die Gemobbten und die Ausgestoßenen aus der Gesellschaft im Vordergrund. Sie sind weder unsterblich, noch besonders schön und auch nicht reich. Die Charaktere wurden äußerst liebevoll und facettenreich gezeichnet. Sie alle haben ihre Ecken, Kanten, Ängste, Probleme und Macken - Wesenszüge, die die Mitwirkenden so reizvoll machen."


Die Schreibweise der Geschichte war etwas dürftig, fand ich. Auch hier hat jemand vor mir die Gedanken gedacht:
Nightingale schreibt auf ihrem Blog: "Die Autorin gibt zum einen sehr aussdrucksstarke Beschreibungen wieder, zum anderen baut die Geschichte nicht wirklich viel Spannung auf. Die Geschichte an sich ist sehr sanft erzählt. Es wird wenig auf die wahre Entwicklung von Mensch zum Wolf eingegangen. Ich hoffe aber, dass sich dies noch ändern wird. Schließlich ist "Die Verborgenen" der Auftakt einer ganzen Reihe."
Die Geschichte ist meiner Meinung nach sehr ruhig, zwischendurch aber eben zu ruhig...


Dennoch nervte mich einfach auch das Hin und Her zwischen Louisa und Thursen.Sie hatte genug von ihm, wollte ihn nicht mehr sehen. Und dann sperren ihre Eltern sie ein, nehmen ihr den Freiraum und alles was Luisa kann, ist zurück in den Wald zu laufen und Thursen zu treffen. Sie will es ja doch! An dieser Stelle war sie dann aber wieder ein sehr authentischer Charakter, weil sie nicht gradlinig handelte. Nur nach dem zweiten Mal war es irgendwie nichts neues mehr.


Puzzeline hebt bei Amazon einen einzigen positiven Aspekt hervor:
"Ich habe nur einen positiven Punkt entdecken können: Das Ende. Die letzten 50 Seiten heben sich klar vom Rest des Buches ab und es kommt zu einer spannenden Verfolgungsjagd. Melling weicht endlich von der amüsanten Möchtegern-Melancholie ab und schreibt mitreißend. Schade, dass ihr das nicht schon 200 Seiten vorher eingefallen ist."
Amüsant fand ich die Melancholie zwar nicht (und "Möchtegern" find ich hart ausgedrückt), allerdings stimme ich Puzzeline zu, dass vor allem das Ende die Punktzahl hochgerissen hat (vorher hätte ich vielleicht 2 Sterne gegeben ;) ). Packend und sehr kompakt huschten die letzten Seiten nur so dahin - ein bisschen mehr davon hätte dem Buch vorher tatsächlich nicht geschadet.


Positiv war für mich auch, dass Berlin so schön geschildert wird. Wer selbst dort nicht wohnt, hat aber garantiert mal in der S-Bahn gesessen oder von den großen Seen gehört. Für mich war das Lesen wie ein Ausflug nach Berlin. Und obwohl ich die Stadt nicht so mag, begleitete ich Luisa gerne bei ihren Streifzügen. Etwas Magie inmitten einer bekannten deutschen Stadt war eine Mischung, die mir gut gefiel.

Ich bin also etwas unschlüssig, wie mir das Buch gefallen hat oder nicht. Teil 2 werde ich lesen, aber an dieser Stelle reicht mein Leseeindruck nur für 3 von 5 Sternen.


 

7 Kommentare:

  1. Also ich muss ja zugeben, dass ich das Buch ja schon vor über einem halben Jahr gelesen habe aber damals wohl vergessen hab zu rezensieren. Darum bin ich auch nicht mehr so genau auf alles eingegangen. Ich bin einfach mal gespannt wie es weiter geht die Kurzbeschreibung hört sich gut an!
    LG Alice

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  2. Ich hab das Buch auch schon vor einer ganzen Weile gelesen und fand es... anstrengend.

    Viel von der Handlung ist bei mir nicht hängengeblieben (kein gutes Zeichen), nur dass es mich tierisch depressiv gemacht hat als ich es gelesen habe, was, wie du so schön sagst, an der Thematik lag. Trozdem hat mich diese Grundstimmung das ganze Buch hindurch extrem runtergezogen, dass mir das Lesen einfach keinen Spaß gemacht hat. Wahscheinlich führte das auch dazu, dass mir die Charas konsequent auf die Nerven gingen.

    Ich konnte mit dem Buch einfach nicht warm werden und werde mir die Fortsetzung auch nicht zulegen.

    Liebe Grüße^^

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  3. @Eve: Ich möchte gerne wissen, ob Nora Melling sich steigert. Das ist es mir dann auch wert, das Buch zu kaufen. Ganz blöd fand ich es ja nicht... aber es gibt eben einen ganzen Haufen anderer richtig guter Bücher auf dem Markt, die es einem erschweren, einem Buch noch eine Chance zu geben. Vielleicht kann ich dir dann mit einer Rezension zu Teil 2 weiterhelfen ;)

    @Alice: Interessant hört es sich an, was Nora Melling so verraten hat... ;)

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  4. Schade, dass dich das Buch nicht begeistern konnte. Ich habe es vor einigen Tagen gelesen und fand es großartig. Ich freue mich riesig auf die Fortsetzung!

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  5. Ich kann Eves und deine Meinung nur unterstreichen. Man wird leider beim lesen immer depressiver. Allerdings waren die letzen 50-80 Seiten so unglaublich gut, dass ich irgendwann (wenn ich mal viel Zeit habe) mir die Fortsetzung kaufen und lesen werde.

    Deine Meinung zur Fortsetzung würde mich auf jeden Fall sehr interessieren. ;)

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  6. @Traumtänzerin: Gespannt bin ich auf die Fortsetzung auf jeden Fall! Und wenn jeder von jedem Buch hingerissen wäre, wär es ja auch langweilig ;) Die Kunst ist es ja, überhaupt Fans zu haben ^^

    @Sandy: Jetzt bin ich ja fast verpflichtet, die Fortsetzung zu lesen und zu rezensieren ^^

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  7. Ich habe das Buch auch schon vor einiger Zeit gelesen. Mir hat es besonders gefallen wie N. Melling die Gefühle von Luisa beschrieben hat. Die Trauer usw. An manchen Stellen hatte man dann schon ein Tränchen im Auge.
    Weiterlesen werde ich eher nicht. Das Ende ist soweit für mich ok, ich kann damit leben, denn als ich damals die Beschreibung des 2. Bandes auf der Auorenseite las, fand ich das alles ziemlich abwegig. Aber anscheinend wurde der jetzige Kurztext etwas geändert.

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